Testberichte: Ausrüstung und Zubehör
Moin
Da mir von so vielen Leuten davon abgeraten wurde, hierfür Geld auszugeben hab ich das einzig Konsequente getan: Ich hab dafür Geld ausgegeben. :P

Erstmal ein paar Bilder vom Gerät:
(https://drive.google.com/drive/folders/1K7OWCp17F5GyjZ853qntCGfXjxY7Y36o?usp=drive_link)
Also, das FCS MPU5

Seit grob 3 Monaten ist dieses Ding für 700€ auf dem Markt. Meines hab ich bei TCA152.eu (https://www.tca152.eu/products/fcs-mpu5) erworben, was nach 1,5 Monaten dann auch endlich im Briefkasten lag.
Original
Das echte Persistent Systems Wave Relay MPU5 ist in diesem Sinne kein Funkgerät. Es ist ein Mesh Node, der mit einem Android-Betriebssystem ausgestattet als Schnittstelle und Verbindung zwischen diversen Systemen dient. Die Hauptaufgabe ist es, innerhalb eines MESH-Netzwerks einen Verbindungsknoten bereit zu stellen. In diesen kann man sich via Sprache, Text oder auch ATAK-Protokoll (Cursor on Target / CoT) mit anderen MESH Teilnehmern verbinden und ein gemeinsames Lagebild aufbauen, miteinander Sprechen, in isolierte Kanäle ausweichen. All dies auch unter dem Schirm der Verschlüsselung. Das MPU5 ist allerdings auch dazu imstande, unterschiedliche Endpunkte für beispielsweise UAV, UGV etc bereit zu stellen und mithilfe von Zubehör wie dem RDC diese direkt zu steuern.
Um es versimpelt falsch auszudrücken: Es ist ein Gefechtsfeldcomputer, der sein eigenes Netzwerk mitschleppt.
Das Ding ist in der Realität auch sündhaft Teuer. Fünfstellig, je nach Beschaffungsbehörde. Und in Deutschland ist mir zumindest kein Zulieferer für Zivilisten bekannt, bei dem man diese finanzielle Unvernunft umsetzen könnte.


Gottseidank gibt es da FCS.
Die haben schon seit einiger Zeit auf Instagram immer wieder mal kurze Teaser gezeigt, das sie da an einem MPU5 mit irgendwelchen Platinen drinnen arbeiten. Aber kein Wort verloren darüber, was das Ding denn nun kann.
Auf deren Homepage (https://www.fcs-tactical.com/productinfo/3698757.html) ist einiges an Dokumentation und Software, Firmware etc. verfügbar, was ich mir auch alles genauestens angesehen habe.
Replica Unterschiede zum Original
Das Replica unterscheidet sich vom Original schon ganz erheblich. Angefangen bei der technischen Ausstattung:
Auf dem Original läuft Android auf einem äußerst potenten Quadcore
Das FCS Replica läuft mit einem ESP32
Das Original hat mit seinen 3 Antennen ein offensichtliches 3x3 MIMO Übertragungssystem, welches praktisch dazu dient die Datenqualität UND die Reichweite ganz massiv zu erhöhen. Wie das genau funktioniert spar ich mir mal auf zu erklären und verweise stattdessen auf diesen Artikel hier: (https://de.wikipedia.org/wiki/MIMO_(Nachrichtentechnik))
Beim FCS Replica dient eine Antenne dem Digitalfunk, die andere dem Analogfunk. Und die mittelere Antenne hat den gleichen Zweck wie der vierte Schornstein an der Titanic. Keinen.
Beim Original sind diverse Codecs, Verschlüsselungsalgorithmen, Übertragungsprotokolle und anderes Zeug eingebaut, um beispielsweise live Videostreaming zu ermöglichen, via RJ45 seinen PC an das Ding anzuschließen und so ins Netzwerk mit 100 Mbits zu kommen. RoIP dient dazu, sein Funkgeräte (wie ein PRC152) an das MPU5 anzuschließen und so durch das MPU5 und seine PTT anzusteuern.
Beim FCS Replica sind die Anschlüsse RoIP, DATA und Video IN Fake. Nicht verkabelt. Nix. Also: das ist kein echter MESH-Node.

Die App:
Beim Original ist wie gesagt ein vollwertiges Android auf dem MPU5 installiert. Das bedeutet: man kann das Ding sogar mit Tastatur und Maus an nem Monitor anschließen und hat dann einen vollwertigen Computer da stehen. Ohne Einschränkungen. Ein EUD ist beispielsweise das eigene Smartphone oder das RDC, ebenfalls von Persistent Systems.
Bei FCS ist etwas derartiges nur Rudimentär vorhanden. Die FCS App ist...ambitioniert und schwierig integriert. Aber man kann über sie simple Nachrichten, Koordinaten und Beacons verschicken. Solange man in China lebt. Denn: Das Kartensystem ist irgen ein chiniesisches, welches hier in Europa (Und im Rest der Welt) keinerlei Nutzer hat. Das ist derzeit noch Käse. Laut FCS wird das ganze System noch optimiert.
Was aber geht: Man kann den Analogfunk konfigurieren, auch Spielereien wie CTCSS, DCS und VOX einstellen, Lautstärke, Frequenzen und Kanäle konfigurieren. Also Standard.
Beim Digitalfunk hat man die Auswahl zwischen 16 Kanalspeichern mit jeweils eigenen Frequenzen, aber auch 256 Unterkanälen pro eigenem Kanal. Das sind 4096 Kanäle. Uff!
Diese Kanäle unterstützen auch eine Vollduplex-Kommunikation, was so viel bedeutet: man kann gleichzeitig mit seinen Kollegen sprechen ohne das übliche "Roger" - Gewarte. Ob das gut oder schlecht ist sei mal dahin gestellt, die Funktion ist jedoch optional.
Man muss sich das so vorstellen wie im Discod. Da kann ich mich jedenfalls gut unterhalten ohne das sofort absolute Anarchie entsteht. Sollte auf nem Airsoftspiel also auch gehen, wenn das eigene Team nicht aus Idioten besteht.

Gehen wir mal speziell auf das MPU5 von FCS ein:
Verarbeitung:
Außen
Außen ist das Ding wirklich fabelhaft umgesetzt. Also, wirklich fantastisch: Der Hauptkörper besteht aus Aluminium, die Antennen aus hochwertigem Gummi und vernünftigen Kunststoff. Der Encoder (An/ausschalter) ist solide und rastert in knackigen Bewegungen.
Die PTT setzt diesen Eindruck fort, die beiden Encoder und die PTT Knöpfe sind straff und gut verarbeitet. Man muss schon sehr, sehr genau wissen, worauf man achten muss um zu sehen dass das kein Original ist.
Der Unterschied ist übrigens: Die Lautstärkeregler bei der PTT sind Fake, die Lautstärke der einzelenen Kanäle wählt man durch Drehen der Encoder A und B. Durch Doppeldrücken wechselt man zur Kanalwahl durch drehen. Das bekommt man in seinem Headset auch angesagt.

Stichwort Headset:
Es sind drei Verbindungskabel mitgeliefert. Man kann seine Billo Z-Tactical Headsets anschließen, aber auch echte Peltors.
FCS Setzt allerdings für den Digitalmodus (Mesh) voraus, das man die FCS AMPs benutzt, die als einziges mit diesem Modus kompatibel sind.
Die Dinger besitze ich tatsächlich und sie sind gut verarbeitet. Aber warum hier eine Propertiäre Lösung für ein ohnehin schon massiv propertiäres System gewählt wird versteht wohl nur FCS. Das ist ziemlich beschissen.

Funktionsumfang
VHF/UHF Funk:
mit 16 Kanalspeichern relativ dünn, aber ausreichend kann man damit beispielsweise die bekannten PMR Frequenzen einprogrammieren und benutzen um mit Midland-Funkgeräten sprechen zu können. Die Leistung geht bis zu 5 Watt hoch, was wahrscheinlich auch ausreicht um im Umkreis von 5 Metern das Nervensystem von Mücken zu grillen.
Die Frequenzbandbreite reicht laut Homepage von 136-174 Mhz und von 400-480 Mhz.
Das macht den Betrieb nicht legaler, da das Ding in Deutschland schlicht nicht zertifiziert ist. Sollte also beim Kauf berücksichtigt weren ob man ein Gesetzestreuer Bürger ist. Da ich aber schon oft genug Leute mit noch stärkeren PRC152ern habe hantieren sehen belasse ich es mal bei der Information, dass das nicht ganz Sauber ist, damit hier herum zu funken ohne Amatuerfunkerlizenz.

Digitalfunk:
Der Digitalfunk ist ebenfalls im UHF-Bereich aktiv, also grob 400-480 Mhz. Dieser baut aber ein permanent aktives MESH Netzwerk auf, man kann in der App sogar einstellen, wie viele Hops ein Datenpaket nehmen darf, ob das eigene MPU5 Node, Router oder beides ist. Für tiefgreifendere Tests brauch ich jedoch mehr Zeit und vor allem andere Leute mit so einem Gerät. Alleine kann ich nur aufschlüsseln, was das Optionsmenü hergibt.
Der Digitalfunk ermöglicht auch das übermitteln von Textnachrichten und Koordinaten. Die Textnachrichten sind hierbei auf 96 Byte begrenzt. Da fragt man sich wahrscheinlich schon, warum man das überhaupt nutzen sollte.
Eine Software wie VTI (Aktuell in der Beta, veröffentliche ich aber bald) kann damit jedoch ein vollwertiges Tracking über das MPU5 verwirklichen.
Die originale FCS TAK-App ist vom Funktionsumfang leider auf den chinesischen Markt optimiert. Man KANN damit Frequenzen etc einstellen, aber Tracking und ähnliches sind in Deutschland nur schwer und Benutzerunfreundlich bedienbar.
Über den Desktop kann man außerdem noch durch die App CPS eine Verbindung via USB aufbauen und am Funkgerät Einstellungen vornehmen.
Ohne EUD oder PC ist das Funkgerät daher kaum benutzbar.

Achja: wenn man ein USB Kabel anschließt sollte man die PTT abstecken, sonst kommt es zu Konflikten. Wenn man via Bluetooth in den Einstellungen des MPU5 herumwühlt, sind die Encoder an der PTT und am MPU5 selbst ebenfalls stumm gestellt. Man kann dann die Lautstärke und den Kanal über die App einstellen. Wenn das EUD dann wieder in den Standby Modus versetzt wurde bekommt man nach einigen Sekunden die Kontrolle zurück an die Encoder.
Wenn manns weis kommt man auch klar, aber ich hab am Anfang n ziemlich dummes Gesicht gemacht.
Innen
Innen ist es etwas ernüchternd, nachdem ich das Ding das erste mal Geöffnet habe. Antenne 2, Video IN, DATA und RoIP sind Fake-Anschlüsse. Auf der Homepage von FCS sind die jedoch als "Not yet Enabled" geführt, was den falschen Eindruck erweckt, dass da noch Funktionalität nachkommt. Ziemlich beschissen.
Antenne 1 ist hier für das VHF/UHF Modul vorgesehen, Antenne 3 für das Digitalmodul.
Das Digitalmodul ist tatsächlich austauschbar gestaltet und in seiner Anschlussform dem Original sogar sehr genau nachempfunden. Allerdings sehe ich auf der Homepage von Persistent Systems (https://persistentsystems.com/mpu5-design/) das die Teile untereinander andere Standards erfüllen. Der Multi-Pin Anschluss ist ein anderer.
Laut FCS ist jedoch geplant, weitere Module mit anderen Fähigkeiten auf den Markt zu bringen. Da wäre also tatsächlich Denkbar, ein Android/Raspberry artiges Modul mit erweiterern Fähigkeiten zu entwickeln. Aber dafür muss natürlich der Markt vorhanden sein um so eine Entwicklung zu rechtfertigen.



Fazit: Also..das FCS MPU5. Es ist auf keinen Fall auch nur annähernd so leistungsfähig wie das echte MPU5. Es immitiert ein wenig die Funktion und die Funktionalität des Originals, aber ist keine billige Alternative dazu. Für Airsoft wird man das Feeling und begrenzte Fähigkeiten vom Original erhalten, besonders der Sprechfunk dürfte vom digitalen Aufbau enorm profizieren.
Allerdings nur, wenn man auch mehrere Leute hat, die ebenfalls bereit sind, sich für über 700€ plus 250€ fürs Headset ein derartiges Gerät zuzulegen. Man bekommt was dafür, ja.
Aber der Mehrwert gegenüber den erheblich günstigeren PRCs ergibt sich erst mit der digitalen Datenverbindung und Drittsoftware wie VTI.
(https://www.youtube.com/watch?v=BnDLJRzYg68) - Hier noch mein Video Review und Teardown, um meinen wirren Gedanken etwas besser folgen zu können.
(https://drive.google.com/drive/folders/1YA-dnu1tqNRjZyUhaAdPg6jTeUkNKwrh?usp=drive_link) - Betaversion von VTI - Trackingapp von mir geschrieben. ist noch im Aufbau, aber wer sich das mal ansehen will oder mit seinem MPU5 herum spielen will..Go for it.


Interessantes Gerät, danke für den Einblick.
Da ein ESP32 verbaut ist, könnte man eventuell auch Meshtastic drauf flashen und dann als Node für ATAK nutzen.
Hast du irgendwelche Pläne um das Teil mehr nutzen / nutzbar zu machen?
Ja, ich entwickel gerade VTI, da kommt im Laufe des Abends ein erster Post. Damit kann man dann rudimentär die echten Funktionen (auch ohne das MPU5) für Airsoft imitieren. Ich sitz gerade am Einführungsvideo, dass das grob zeigt was damit möglich ist.
Hier mal der Link zur VTI App: